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Madagaskarreise im Februar 2014
23.03.2014 von Harald Hackländer

ein Bericht von Anne und Erich Raab

Ende Januar 2014 sind wir wieder einmal nach Madagaskar gereist, um das Projekt unseres Vereins in Belo/Tsiribihina zu besuchen und zum 15. Mal an der Pflanzaktion der Deutsch-Madagassischen Gesellschaft teilzunehmen. Wir haben Paulina und Sophie, zwei junge Frauen aus Wuppertal und Plochingen, nach Belo begleitet, die dort in unserem Zentrum ein dreimonatiges Praktikum machen.

Wie immer mieteten wir uns zunächst für einige Tage in Tana in unserem Stammhotel Sakamanga ein, um Paulina und Sophie in die Hauptstadt einzuführen und erste Kontakte zu knüpfen. Wir machten beide mit Eckehart Olszowski vom Goethezentrum bekannt und trafen Olombelo Ricky und Dama Mahaleo in Rickys Atelier in Analakely.

Dann machten wir uns mit dem Auto auf nach Morondava; seitdem die Straße von Miandrivazo nach Morondava renoviert ist, eine wunderschöne in zwölf Stunden – mit Frühstücksstopp in Antsirabe und Mittagessen in Miandrivazo – zu bewältigende Fahrt.

Im Les Bougainvilliers lernten wir Gilbert Romain, den neuen Chef de Region Menabe kennen. Er war sehr an einer Zusammenarbeit mit unserem Verein interessiert. Er will sich dafür einsetzen, dass im kommenden August in Belo die Fitampoha, das traditionelle Fest der Sakalava-Menabe-Bevölkerung mit der Waschung der königlichen Reliquien im Fluss Tsiribihina, wieder stattfindet. Dieses war 2012 wegen der politischen Krise in Madagaskar abgesagt worden. Mitglieder unseres Vereins wollen daran teilnehmen. Sobald die königliche Familie entschieden hat, dass und wann die Fitampoha wieder stattfindet, wird der Vorstand eine Reise dahin organisieren.

Nähe Morondava besuchten wir Dama Mahaleos „Bildungs-Farm“ Centre d’Initiation Pratique BAOBAB, einer Einrichtung , in der erwachsene Bauern mit umweltverträglichem und nachhaltigem Reisanbau vertraut gemacht werden. Damas Schwester Noro, die Leiterin, erklärte uns das Projekt und ihre Konzeption.

Danach ging es auf die 100 km Piste und durch die Baobaballee nach Tsimafana am Tsiribihina. Der Fluss hatte Hochwasser, Autofährverkehr war nicht möglich, und mit sichtbar mulmigen Gefühl unserer beiden Mitreisenden überquerten wir den Tsiribihina und kamen in Belo an. Unser Projektleiter Adolphe nahm uns am Ufer mit seinem alten Landrover in Empfang. Wir quartierten uns wie immer im Hotel Menabe ein, Paulina und Sophie bezogen ihr Zimmer bei Adolphe in unserem Haus.

In Belo besuchten wir unsere Partnerschule Bemarivokely. Die Schule hat mit mehr als 1200 mehr Schüler als je zuvor. Einer der Gründe dafür ist, dass in den letzten Jahren viele kleine Privatschulen aufgemacht wurden, die gegen Schulgeld Kinder aufnahmen. Aufgrund der anhaltenden politischen und ökonomischen Krise können sich die Eltern diese Schulen nicht mehr leisten und melden ihre Kinder wieder an der öffentlichen Grundschule an. Die Schule Bemarivokely ist personell, räumlich und bezüglich ihrer Ausstattung damit absolut überfordert. Lediglich die „großen“ der 5. Klasse haben Schulbänke. Die anderen Kinder sitzen auf dem Boden.

Es gab den üblichen „Neujahrsempfang“ unseres Vereins für das Lehrerkollegium im Hotel Menabe. Im Anschluss daran übergaben uns alle Lehrkräfte einen individuellen „Wunsch­zettel“ bezüglich der Verbesserung und Weiterentwicklung ihrer Arbeitsbedingungen. Wir besprachen mit dem neuen Schulleiter und dem neuen Vorsitzenden des Schulfördervereins Ankinzin’i Belo unser Vorhaben, auf dem Schulgelände eine Unterkunft für Schüler einzu­richten, die aus den Umlanddörfern kommen und keine Wohnmöglichkeit in Belo haben.

Während unseres Aufenthalts führten wir zusammen mit den beiden Praktikantinnen 20 Interviews mit unseren Stipendiaten. Die Gespräche mit den 10 Stipendiaten, für die wir keine Gelegenheit mehr fanden, werden nach unserer Abreise von Paulina und Sophie nachgeholt. Außerdem machten wir wieder drei Hausbesuche, um uns nochmals die katastrophalen Wohnverhältnisse unserer Stipendiaten zu vergegenwärtigen.

Nach einer Woche verließen wir Belo und überließen die beiden Praktikantinnen der Obhut von Adolphe und seiner Familie.

Die letzte Woche in Tana waren wir voll beschäftigt. Wir trafen uns mit Antonia Witt, einer jungen Politikwissenschaftlerin von der Universität Bremen. Antonia hatten wir auf einem Madagaskar-Seminar in Würzburg kennen gelernt. Sie schreibt eine Doktorarbeit über die politische Krise in Madagaskar, war im Lande, um darüber mit unterschiedlichen örtlichen Gewährspersonen und Experten Gespräche zu führen. Wir machten Antonia mit Dama bekannt. Und sie machte an unserer Wiederaufforstungsaktion mit und mit uns zusammen auch an einer von Dama organisierten Pflanzaktion der madagassischen Künstlergewerkschaft. Dazu fuhren wir mit etwa 50 madagassischen Musikern – darunter sehr prominente wie Jaojoby, Rajery, Dama und Charle von Mahaleo – in das Heimatdorf von Rajery in der Nähe von Ambohimanga und pflanzten auf dem Gelände der Grundschule Orangenbäume. Anschließend gab es dort ein 3stündiges Konzert für die Dorfbevölkerung.

An unserer zweitägigen DMG-Pflanzaktion auf dem Hügel Anosivola bei Mahitsy nahm auch unser Freund und Mitglied Arno Brost teil. Arno hatte, wie wir auch, sehr schöne T-shirts und

andere Textilien mitgebracht. Und so gab es am Ende der Pflanzaktion nicht nur Brot und Käse für unsere Helfer aus dem Dorf sondern auch vor allem von den Frauen begeistert angenommene Kleidungsstücke.

Die übrige Zeit war ausgefüllt mit – teilweise sehr anstrengenden – Einkäufen von kunsthandwerklichen Produkten für unseren Infostand auf den verschiedenen Märkten Tanas.

Unsere knapp dreiwöchige Reise nach Madagaskar war wieder einmal eine Arbeitsreise ohne touristisches Beiprogramm. Wir konnten unser Programm problemlos abwickeln, ohne bürokratische, politische oder sicherheitsbedingte Beeinträchtigungen. Zum Ende gab es dann doch noch eine Belohnung für unsere Mühen. Dama lud uns zu einem sehr seltenen und längst ausverkauften Konzert der legendären madagassischen Kultgruppe Mahaleo in den Palais des Sports in Tana ein. Mehr als 6.000 vorwiegend junge Madagassinnen und Madagassen sangen, tanzten und feierten fünf Stunden lang mit den Mahaleos. Ein unvergessliches Erlebnis.
Zum Abschluss zwei Terminhinweise:

Die diesjährige Mitgliederversammlung unseres Vereins Sakaizan’i Madagasikara – Freunde Madagaskars e.V. findet am Freitag, den 25. April um 19 Uhr im Kunstraum Wild, Amalienstr. 41 Rgb in 80799 München statt. Unsere Mitglieder erhalten noch eine genaue Einladung. Freunde unseres Vereins sind als Gäste dazu herzlich eingeladen.

Am Montag, den 23. Juni 2014 treten die Madagaskar All Stars im Bürgerhaus Eching bei München auf. Erick Manana, Fenoamby (Marius Fontaine), Justin Vali, Regis Gizavo, Dama Mahaleo und Olombelo Ricky sind derzeit wohl das Beste, was die madagassische Musikkultur zu bieten hat. Bitte vormerken.


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